Eilwog'n-Fohrn 2016
Eilwog'n-Fohrn 2016

Am Kirwamontag findet das traditionelle Eilwog'n-Fohrn (Eilwagen-Fahren) statt. Bei diesem Brauch wird ein Holzrad über einen Holzstamm an einem Bulldog befestigt. Das Rad liegt dabei auf der Straße auf, so dass es sich bei Fahrt des Bulldogs dreht. Der eigentliche Spaß ergibt sich dann, wenn man auf dem Rad sitzt - ein Gefühl wie in einem Karrusell - und eine echte Herausforderung für den Kirchweihmagen :-).

Worauf der Brauch zurückgeht, kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Die einzige (dem Autor) bekannte Quelle, die sich ernsthaft mit dem Brauch auseinandersetzt, stammt aus dem Jahr 1955 und nennt als eine mögliche Herkunkt einen alten Frühlingsbrauch, der unter anderem im Schwarzwald, im Elsaß, in der Schweiz und in Oberbayern verbreitet ist/war und mindestens bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

Gemeinsam ist all diesen Gebieten, dass die beiden Personen auf dem Rad den Namen "Hans'l" und "Gret'l" tragen, also ein (junges) Paar darstellen.

Ein Deutungsversuch sieht darin einen Segenshandlung für die Flur. Eine anderer beschreibt das Paar auf dem "Sonnen- oder Glücksrad" als Symbol für die Fruchtbarkeit, von dem man sich reichen Kindersegen erhofft. Bisweilen sind die Gestalten auf dem Rad auch rußgeschwärzt, wie etwa in Alfeld. Hierzu finden sich Interpretationen, wonach eine Berührung ("Anschwärzung") Glück bringen würde.

Mit der Zeit unterliegen Bräuche oftmals einer "Sinnentleerung, d.h. der ursprüngliche Zweck geht mit der Zeit verloren und/oder der Brauch wird aus einem "Spieltrieb" heraus verändert. Dies ist besonders dann der Fall, wenn der Brauch nach einer Unterbrechung neu belebt wird (siehe hierzu: http://www.alfelder-musikanten.de/tradition/alfelder-kirwa/. Das Eilwagen-Fahren wurde hier nach einer Unterbrechung neu aufgelebt, wobei damit wohl auch eine Veränderung des Brauchs einherging).

Ein Erklärungsversuch des Namens "Eilwagen" ergibt sich einerseits daraus, dass entlang des  Verbreitungsgebiets des Brauchtums die alte Fernverkehrsroute "Nürnberg-Prag" verlief, auf der auch beschleunigte Postwagen ("Eilwagen") verkehrten. Da das Eilwagen-Fahren eine eher gemächliche Angelegenheit ist, wäre die Bezeichung eher ein Ausdruck fränkischen Humors :-).

Weiter östlich in der Pfalz nennt man den Brauch auch "Eulenwagen". Die "Eulen" meinen dabei die Kirwaboum, die vom Kirwasonntag auf den Kirwamontag durchzechten, um sich dann auf die "Wagenfahrt" zu begeben.

Wie dem letzten Endes auch sei: Mit ihrer Prognose, der Brauch würde demnächst ganz verschwinden, irrte die Quelle Gott sei Dank :-)!

Quelle:

Das Eilwagen - Fahren. Ein Beitrag zur östfränkischen Volkskunde
Rühl, Eduard. (1955) - In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde (1955) S. 176-179